HvB e.V.

Heimatverein Berghofen e.V.

Berghofer Geschichte(n) 

 

Einige Berghofer Straßen und ihre Namensgeber

Mancher Einwohner Berghofens oder auch ein Besucher von außerhalb mag sich fragen, welche Bedeutung die Namen hiesiger Straßen haben und woher sie kommen. Im Folgenden sollen einige ausgewählte Straßennamen in unserem Ortsteil auf ihre Namensgeber hin untersucht und erläutert werden.

 

Klemptweg und Spraveweg

Diese beiden sehr kurzen Stichstraßen gehen nach Osten, der Klemptweg, beziehungsweise nach Westen, der Spraveweg, von der Wilmsmannstraße ab und sind Sackgassen mit einer geringen Anzahl an Wohnhäusern und entsprechenden Hausnummern. Wie die Wilmsmannstraße erhielten sie ihre Namen im Jahre 1972 wegen der entstandenen bzw. noch entstehenden neuen Wohnbebauung. Sie wurden jeweils nach alteingesessenen Berghofer Familien benannt, die alle drei zu bestimmten Zeiten den Ortsvorsteher des einstigen Dorfes stellten.

 

Der Nachfolger auf den Bauern des Wilmsmannhofes in der Funktion als Ortsvorsteher (1851-1870) war Heinrich Klempt in den Jahren von 1870 bis 1895. Der Name der Familie Klempt findet sich – wie Ingo Fiedler berichtet – schon in einer gegen Ende des 17. Jahrhunderts aufgezeichneten „Spezifikation der Länderey im Amte Unna“. Im Kirchenbuch ist der Tod des 66-jährigen Robert Klempt im Jahre 1799 notiert.

Der Name der Familie Sprave lässt sich ebenfalls bis ins 18. Jahrhundert zurück verfolgen. Im Kirchenbuch ist unter dem 30.4.1719 der Tod des Johann Sprafe im Alter von 88 Jahren vermerkt. Ingo Fiedler erwähnt in seinem Aufsatz (Berghofer Blick 4 /1985) Otto Sprave als Gemeindevorsteher in den Jahren 1919/1920. Das gleiche Amt wurde von 1924 bis 1929 von Emil Sprave ausgeübt.

 

Ehmsenstraße, Kneebuschstraße und Kolbstraße 

Auch diese drei Straßen sind nach historischen Persönlichkeiten benannt worden. Die drei Männer, deren Namen sie tragen, sind für die Geschichte des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) höchst bedeutsam.


Ernst Friedrich Ehmsen (1833-1893) wurde nach Ausbildung und Studium sowie Anstellungen in Ostpreußen und im Elsass 1884 als Forstmeister an die Arnsberger Regierung versetzt. 1890 gründete er gemeinsam mit Karl Féaux de Lacroix vor dem Hintergrund der Wanderbewegung den Arnsberger Touristenverein, aus dem im Jahr 1891 der Sauerländische Gebirgsverein hervorging. Ehmsen hatte die Satzung entworfen und wurde zum ersten Vorsitzenden des SGV gewählt. Er gab Hinweise zur Markierung von Wanderwegen, machte die Presse auf den Verein und das Sauerland aufmerksam und mit Plakaten Werbung für die Region. Er regte Informationsschriften über Gasthäuser und Unterkunftsmöglichkeiten an.


Karl Kneebusch (1849-1902) war als promovierter Lehrer für Geschichte und Erdkunde an verschiedenen Schulen und zuletzt als Gymnasialprofessor in Dortmund tätig. Seine Wanderungen führten ihn in das Sauerland. Er schrieb 1884 den ersten touristischen Wanderführer über die Mittelgebirgsregion. Schon nach einem Jahr folgte die 2., im Gründungsjahr 1891 des SGV die 3. Auflage. An seinem Wohnort Dortmund gründete er eine SGV-Ortsabteilung, deren Größe bald 10 % der Mitglieder des gesamten Vereins umfasste. Aufgrund seiner Ortskenntnisse wurde er mit der Bildung einer SGV-Wegekommission beauftragt, die ein Netz von markierten Wanderwegen im Sauerland schaffen sollte. Karl Kneebusch wurde auf dem Dortmunder Ostenfriedhof beigesetzt. Seine Grabstele steht unter Denkmalschutz.

 

Robert Kolb (1867-1909) war ein in Dortmund geborener Ingenieur. Er war von 1901 bis 1909 Vorsitzender des SGV Hagen mit 1.700 Mitgliedern und stellvertretender Vorsitzender des Gesamtvereins. In seiner Funktion als Hauptwegewart arbeitete er ein Netz von Wanderstrecken im Sauerland und eine neue Systematik für die Wegzeichen aus. Er schlug daher als die Markierung für die Hauptwanderstrecken ein weißes Andreaskreuz und weitere einfache Geometrien für die untergeordneten Wanderwege vor, wie sie noch heute verwendet werden. Das weiße Andreaskreuz wurde von zahlreichen anderen Wandervereinen für deren Hauptwanderwege, u.a. für die Europäischen Fernwanderwege, übernommen. Schon 1907 waren ca. 6.000 Kilometer Wanderwege nach seiner Systematik gekennzeichnet.

 

Die Berghofer Abteilung des SGV wurde im Inflationsjahr 1923 gegründet und konnte im Jahr 2018 bereits ihr 95-jähriges Bestehen feiern. Vorsitzende der 58 wanderfreudigen Mitglieder der Abteilung, die an jedem Sonntag unterwegs sind, ist Gerda Tillmann, die auch ehrenamtlich als Schatzmeisterin im Vorstand des Heimatvereins Berghofen e.V. und in der Cafeteria des Altenzentrums St. Hildegard tätig ist.

 

Wilbergstraße

Auch dieser Berghofer Straßenname erinnert an eine alteingesessene Familie, die ebenfalls in der oben genannten „Spezifikation“ zum Amt Unna erwähnt wird, hier noch mit dem Namen Welberg. Im Kirchenbuch wird unter dem Datum des 8.11.1731 der Tod des 77-jährigen Hermann Wilberg beurkundet. Mit Gustav Wilberg stellte auch diese Familie von 1895 bis 1919 den Berghofer Gemeindevorsteher. Er folgte in diesem Amte auf Heinrich Klempt (1870-1895) und ihm folgte Otto Sprave (1919/1920).

Dieter Tillmann